Klassisches Projektmanagement in Form der Wasserfall-Methode hat sich bewährt

Die lineare Vorgehensweise in Form des Wasserfall-Modells eignet sich u. a. für Unternehmen mit hierarchischen Strukturen, die Projekte selbst nicht agil angehen. Bei dieser Methode werden komplexe Projekte in einzelne Phasen unterteilt, die dann linear aufeinander aufbauen. Überträgt man dies auf Softwareentwicklung oder auf den Aufbau eines digitalen Shopsystems, sieht ein typischer Projektverlauf dementsprechend wie folgt aus:

  1. Konzeption & Design
  2. Technische Umsetzung & Softwareentwicklung
  3. Qualitätssicherung
  4. Go-Live
  5. Support und Weiterentwicklung

Vorteile:

  • Definierter Projekt-Scope und messbare Ergebnisse, bieten Planbarkeit für Kunden und Dienstleister
  • Klar umrissener Zeitplan und Gewährleistung einer zuverlässigen Durchführung
  • Endprodukt mit festgelegten Funktionalitäten und Eigenschaften

Nachteile:

  • Lange Konzeptionsphase, was sich oft in mangelnder Flexibilität niederschlägt
  • Kaum oder keine Zwischenergebnisse
  • ROI erst zu einem späteren Zeitpunkt bemerkbar und messbar
Teamlead zeichnet Projektablauf auf Whiteboard

Agiles Projektmanagement mit MVP- und Scrum-Ansatz

Demgegenüber stehen agile Projektmanagement-Methoden mit MVP- (minimal viable product) und Scrum-Ansatz. Auch bei diesen Ansätzen teilt man das Projekt in Phasen, sogenannte Sprints, ein. Diese sind zeitlich begrenzt und besitzen einen festen Budgetrahmen. Im ersten Schritt legen Sie User Stories fest, die die zukünftige E-Commerce-Lösung abbilden soll. Auf diese Weise wird der Endkunde und sein Einkaufsverhalten in den Vordergrund gestellt. Anschließend priorisieren Sie als Projektinhaber (Product Owner) die definierten User Stories, sodass darauf basierend die Aufgaben und Funktionen bearbeitet werden. Regelmäßige Meetings informieren über den aktuellen Stand, mögliche Komplikationen und offene Handlungspunkte. Am Ende eines jeden Sprints erhalten Sie ein funktionsfähiges Zwischenprodukt, das aber nicht alle Funktionen der Endversion enthält.

Vorteile:

  • Projekt ist relativ flexibel
  • Anpassungen und Verschiebung der Priorität innerhalb der einzelnen User Stories möglich
  • Schnelle und agile Reaktion auf Veränderungen im Markt möglich
  • Einfaches Testen der fertiggestellten E-Commerce-Komponenten mit einer ausgewählten Zielgruppe

Warum scheitern dann viele Unternehmen, wenn es um agiles IT-Projektmanagement geht? Die Antwort mag simple erscheinen, aber der bloße Schrei nach mehr Flexibilität, macht deswegen Projekte noch nicht agil. Obwohl agile Softwareentwicklung zurzeit in aller Munde ist, müssen Unternehmen dennoch damit rechnen, dass dieses Vorgehen auch konkrete Nachteile hat.

Nachteile:

  • Nur einzelnen Teilprojekte in Form der Sprints definiert
  • Das Gesamtprojekt besitzt keinen festen Rahmen
  • Kaum bis keine Planungssicherheit und hohes Risiko
  • Zwischenergebnis der jeweiligen Sprints muss genügen
  • Kommunikations- und Kompromissbereitschaft, Flexibilität und Offenheit
  • Projektleiter oder Product Owner muss eine hohe Reife und Fachwissen über agiles Projektmanagement besitzen.

Wie finden Sie nun die richtige Methode für sich?

Die Entscheidung, welche Methode am besten zu Ihnen und Ihrem Unternehmen passt, ist nicht einfach zu treffen.

Deswegen beachten Sie bitte folgende Punkte bei Ihrer Entscheidungsfindung:

  1. Prüfen Sie Ihr digitales Geschäftsmodell auf Herz und Nieren. Überlegen Sie sich, wie Ihre internen Ressourcen aufgestellt sind und welchen Wissensstand sie besitzen.
  2. Egal welche Methode Sie bevorzugen: denken Sie an Ihre Endkunden. Welche Funktionen und Services erwartet Ihre Zielgruppe von Ihrer E-Commerce-Lösung? Lassen sich diese Anforderungen agil mit Scrum bzw. dem MVP-Ansatz umsetzen oder sind die Gegebenheiten des Projekts so umfangreich, dass sich die Wasserfall-Methode besser eignet?
  3. Wählen Sie dementsprechend eine Agentur oder einen Dienstleister aus, der die von Ihnen gewählte Methode beherrscht. So kann er Ihnen in allen Projektphasen unterstützend zur Seite stehen.

Zusätzlich können Ihnen folgende Fragen bei der Entscheidungsfindung helfen:

  • Sind Ihre Ziele im Vorfeld eindeutig identifizierbar?
  • Haben Sie eine genaue Vorstellung vom Endprodukt? Existiert dazu vielleicht schon eine genaue Konzeption mit Endkunden-Tests?
  • Benötigt das Projektteam eine klare Führung?
  • Sind Sie mit agilen Arbeitsmethoden und Vorgehen vertraut?
  • Gibt es eine Deadline bzw. ein festes Datum für die Markteinführung Ihres Produkts?
  • Ist der Budgetrahmen fest definiert oder ermöglicht er Abweichungen?

Eine Verbindung aus klassischem und agilem Vorgehen

Wenn Sie den Großteil der Fragen mit „Ja“ beantworten würden, dann bietet Ihnen wahrscheinlich das klassische strukturierte Projektmanagement mehr Vorteile als ein agiles Vorgehen. Denn Agilität bedeutet die fortwährende Einflussnahme und Steuerungsmöglichkeit der Stakeholder während des gesamten Entwicklungsprozesses. Das ist aus unserer Sicht nicht immer möglich oder ratsam.

Deswegen halten wir die Verbindung der beiden Ansätze für sinnig. Mit der Umsetzung des grundlegenden Funktionsumfangs (bspw. Master-Shop mit Schnittstellen) in einem definierten, klassischen Projektablauf gewinnen Sie Planungs- und Kostensicherheit. Außerdem bietet dieses Vorgehen eine solide Grundlage für den Übergang zu iterativen Entwicklungen (Zyklen). Wenn diese erste Phase der Entwicklung sauber durchgelaufen ist, dann minimieren sich die ausstehenden Risiken für das weitere Projekt erheblich.

Anschließend kann der Stakeholder jederzeit die Anforderungen überprüfen und gegebenenfalls den Kurs anpassen. Gemeinsam im Team wird pro Zyklus entschieden, ob das Produkt den Reifegrad erhalten hat, Live bereitgestellt zu werden.

Aus diesem Grund ist keine Projektmanagement-Methode besser oder schlechter als die andere. Nur weil Sie sich für die Umsetzung die Wasserfall-Methode entscheiden, heißt es nicht, dass das E-Commerce-Projekt scheitern wird oder Sie eine veraltete Methode benutzen. Es ist lediglich ein anderer Weg, den Sie für das Erreichen Ihres Projektplans eingeschlagen haben.

Weiterführende Literatur: